Photovoltaik-Anlagen


Wie beeinflussen diese Anlagen die zukünftigen Strompreise?

Eberhard WagnerVon: Eberhard Wagner
 (Lebenslauf)

2010 gab es heftige wirtschafts-politische Diskussionen über die Festlegung zukünftiger Vergütungspreise für Strom aus Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es wurde erkannt, dass der erhebliche Neubau dieser Anlagen in den Jahren 2009 und 2010/2011, langfristig zu einer bedeuteten Zunahme der gesamten Vergütungen führen werde. Diese Vergütungen wirken sich letztendlich besonders auf die Haushalts-Strompreise aus.

Die im Laufe des Jahres 2010 vorgenommenen Kürzungen der spezifischen Vergütungen für neue PV-Anlagen werden jedoch auf die künftigen Gesamtsummen der EEG-Vergütungen nur einen geringen Einfluss haben. Dies gilt auch für die aktuell von der Regierung vorgesehenen zusätzlichen Kürzungen.

Bis Ende 2009 waren in Deutschland PV-Anlagen*) mit einer gesamten Leistung von 9.781 MW **) installiert. Die entsprechende Stromerzeugung betrug 6.578 Mio. kWh. Die Vergütung für diesen Strom betrug 3.157 Mio. Euro. Es ergibt sich eine durchschnittliche Vergütung von 48 Ct./kWh. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte betrug 2010 etwa 19 Ct./kWh (alle Werte ohne Mehrwertsteuer).

Das EEG legt den Vergütungswert für das Jahr der Inbetriebnahme einer Anlage und für dann gleichbleibend 20 weitere Betriebsjahre fest. Daraus ergibt sich in den nächsten Jahren – bis rund zwei Jahrzehnten – ein „Vergütungs-Sockelbetrag“ für den Anlagenbestand 2009 von deutlich mehr als 4.000 Mio. Euro (= 4 Mrd. Euro) pro Jahr, näheres siehe Langfassung.

2010 kamen Neuanlagen mit 7.408 MW hinzu; 2011 werden Neuanlagen mit geschätzt je 7.000 MW hinzu kommen. In den Folgejahren ist ein geringerer jährlicher Zubau zu erwarten, als Folge der Herabsetzung der gesetzlichen Vergütungen für neue Anlagen.

Aus diesen Tatsachen und mit weiteren Annahmen ergeben sich Vergütungszahlungen für PV-Anlagen, die sich vom Jahr 2009 von 3,1 Mrd. Euro auf etwa 10 Mrd. Euro im Jahr 2015 erhöhen werden.

Nach Aussagen eines Versorgungsunternehmens betrugen für den Normalverbraucher die Belastungen infolge des EEG-Stroms 2009 etwa 1,1 Ct./kWh. Diese Kosten ergaben sich gemäß der Weiterverteilung von EEG-Strom von den Übertragungsnetzbetreibern zu den Stromversorgern vor Ort.

2010 wurden diese Regeln geändert. Nunmehr werden die Strommengen durch pauschalierte Entgelte den Stromversorgern – und damit den Stromverbrauchern – in Rechnung gestellt. Für 2010 sind als „Pauschale bzw. Umlage“ für die Stromerzeugung aus allen Erneuerbaren Energien 2,047 Ct./kWh und zusätzlich 1,48 Ct./kWh für 2011, also insgesamt 3,53 Ct./kWh (netto, d. h. ohne Mehrwertsteuer), festgelegt worden. Von den Versorgungsunternehmen werden meist mindestens diese Werte in den Jahres-Stromrechnungen und in den Mitteilungen an die Stromkunden über Tarifpreis-Erhöhungen für 2011 genannt.

Entwicklung der Vergütungszahlungen EEG

Prognose: Entwicklung der gesamten Vergütungszahlungen für Photovoltaik-Anlagen in Deutschland von 2008 bis 2030

In der „Umlage“ für 2010 verursachen die Vergütungen für PV-Anlagen etwa 1 Ct./kWh. Eine Abschätzung für den Zubau von PV-Anlagen 2011 ergibt etwa 0,7 Ct./kWh. Die PV-Anlagen sind demnach etwa zur Hälfte am gesamten Vergütungsvolumen des EEG-Stroms beteiligt. Ihr Beitrag an der gesamten EEG-Strommenge liegt derzeit jedoch nur bei etwa 15 bis 20 % (2010 und 2011).

Eine Betrachtung der Erzeugungskosten für den deutschen Kraftwerkspark zeigt einen ähnlichen Einfluss. 2009 betrugen diese etwa 32 Mrd. Euro. Die Vergütungen für den gesamten EEG-Strom betrugen davon etwa 10 Mrd. Euro. Die PV-Anlagen hatten einen Anteil von etwa 3 Mrd. Euro. 2011 wird dieser Anteil auf etwa 8 Mrd. Euro ansteigen. Die gesamten Vergütungen für den EEG-Strom gemäß den Daten in der Berechnung der „Umlage für 2011“ (BNÜ/ÜNB *) ) beziffern sich für 2011 auf etwa 17 Mrd. Euro.

Ergebnis

Die Vergütungszahlungen an die Betreiber von PV-Anlagen verursachen, gemessen am gesamten EEG-Strom, einen deutlich überproportionalen Anteil. Etwa 50 % der gesetzlich festgelegten gesamten Vergütungssummen entfallen auf die PV-Anlagen. Dem stehen nur etwa 15 bis 20 % Anteil an der EEG-Stromerzeugung gegenüber.

Weitere Informationen

*) Datenquellen:

  • BNA: Bundesnetzagentur,
  • BDEW: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft,
  • ÜNB: Übertragungsnetzbetreiber.
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