Welchen Beitrag zur Energieversorgung und zum Umweltschutz haben Kernkraftwerke in Deutschland bisher geleistet?


Eberhard WagnerVon Eberhard Wagner
 (Lebenslauf)

Die Diskussion über die Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung wird seit Jahren durch den aus politisch-ideologischen Gründen durchgesetzten „Ausstieg“ (vorzeitige Stilllegung der vorhandenen Kernkraftwerke) beherrscht. Vielen Bürgern scheint dieser Weg ohne große nachteilige Konsequenzen zu sein vor allem auch, weil es angeblich Alternativen gibt. Der Neubau anderer Kraftwerke wird als relativ problemlos beurteilt. Über die generellen Schwierigkeiten wird hinweg gegangen. Diese sind z. B. neue Kraftwerksstandorte zu finden, die Wahl und die notwendigen Mengen sowie die (heutigen und künftigen) Kosten der benötigten Brennstoffe, sowie den Bedarf von vielen hunderttausend Standorten für flächenintensive Nutzungen erneuerbarer Energien, die leider keine Versorgungssicherheit bieten können. Verkannt wird die Gefahr für den Wirtschafts- und Technik-Standort Deutschland bei einer unsicheren und teueren Stromversorgung aber auch bei Verlust des technischen Wissenstandes durch Behinderung bzw. der systematischen Zerstörung der „Option Kernenergie“.

Nach wie vor leisten die Kernkraftwerke einen bedeutenden Beitrag zur Stromversorgung vorwiegend zur Deckung des sog. Grundlastbedarfs. Bis 2003 dienten sie auch zu einem kleinen Teil zur Fernwärmeversorgung. Seit 1961 sind kommerzielle Kernkraftwerke in Betrieb. Im Jahr 2003 waren es 19 Reaktoren mit einer Netto-Leistung von 21.283 MW (1 Megawatt – MW = 1000 Kilowatt – kW). Dieser Wert ist zu vergleichen mit der gesamten Kraftwerksleistung der Versorgungsunternehmen im Bereich der allgemeinen Stromversorgung in Deutschland mit 100.300 MW (netto) zum Jahresende 2003. Die Nettoleistung ist die Leistung von Kraftwerken, die dem Netz unmittelbar zur Verfügung gestellt werden kann.

Im Jahre 2003 haben die Kernkraftwerke wiederum wie in den Vorjahren ein sehr gutes Produktionsergebnis erzielt. Die Stromerzeugung betrug 165,1 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh). Damit wurde etwa 31,7 % der allgemeinen Stromerzeugung abgedeckt. In diesem Betrag sind die Erzeugung von Einphasen-Strom für die Deutsche Bahn mit 1,3 Mrd. kWh und umgerechnet die Wärmeabgabe (Kraft-Wärme-Kopplung) aus dem Kernkraftwerk Stade (Inbetriebnahme 1972) mit 0,02 Mrd. kWh enthalten. Das Kraftwerk Stade wurde im November 2003 stillgelegt, sodass ab Anfang 2004 noch eine Kernkraftwerksleistung von 20.643 MW zur Verfügung steht. Der bisherige Jahresspitzenwert der Stromerzeugung von 170 Mrd. kWh wurde im Jahre 2000 erreicht.

Einschließlich der Kernkraftwerke in Ostdeutschland lieferten die Anlagen zwischen 1961 und 2003 rd. 3.730 Mrd. kWh Strom und Fernwärme. Dies entspricht etwa dem 8-fachen des derzeitigen jährlichen Stromverbrauches in Deutschland. Ebenso ist der vermiedene Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) bedeutsam. Wenn die 3.730 Mrd. kWh Strom hälftig aus Stein- und Braunkohle produziert worden wären, entspräche dies einer CO2-Menge bei der derzeitigen Kraftwerkstechnik von etwa 3.660 Millionen Tonnen (Mio. t), das ist etwa das 4-fache der jährlichen deutschen Gesamtemission von CO2. Die durch Kernkraftwerke jährlich vermiedene CO2-Emission (2003 waren das etwa 162 Mio. t) entspricht der CO2-Jahresausstoßmenge aller PKW- und LKW-Fahrzeuge in Deutschland.

Mehr Details finden Sie in der Langfassung (pdf). Dieser Beitrag wurde im Jahr 2004 bei den Energie-Fakten.de veröffentlicht.

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