Ist eine Katastrophe bei einem Endlager für radioaktive Abfälle möglich?


Kann es einen GAU im Endlager geben?

Von Dr. Eike Roth (Über den Autor)

Kurzfassung

roth_thumbRadioaktive Abfälle fallen in der Medizin und Technik und vor allem bei Kernkraftwerken an. Weltweit wird das Konzept verfolgt, hochradioaktive Abfälle in stabilen geologischen Formationen in mindestens 500 Meter Tiefe einzuschließen und damit langfristig von der Biosphäre fern zuhalten. Je nach Konzept und Randbedingungen betragen die erforderlichen Einschlusszeiten einige hundert bis zu mehr als eine Million Jahre.

Von einem intakten Endlager geht keinerlei Strahlenbelastung der Bevölkerung und damit auch kein Gesundheitsrisiko aus. Risiken können nur durch Zugang zum Endlager oder durch undicht Werden des Einschlusses entstehen.

Die Risiken bei einem gezielten und absichtlichen Zugang zu einem Endlager sind mit heutiger Technik zuverlässig beherrschbar. Auch wenn man den Verlust des Wissens über ein Endlager und dessen späteres unbeabsichtigtes Anbohren unterstellt, sind die dabei zu erwartenden Probleme mit unserem heutigen Können zweifelsfrei beherrschbar, zumindest so weit, dass dabei keine katastrophalen Auswirkungen entstehen.

Unterstellt man zusätzlich einen Bruch in der Zivilisation mit Technikverlust, muss man berücksichtigen, dass ein Zugang zu einem Endlager prinzipiell nur dann möglich ist, wenn die dann lebenden Menschen (wieder?) technisch in der Lage sind, Bohrungen bis in mehr als 500 Meter Tiefe durchzuführen. Alles Weitere ist spekulativ, aber man kann wohl sicher sein, dass sie das Anbohren eines Endlagers erkennen, spätestens wenn sie plötzlich auf dicke Metallbehälter stoßen. Und nach allem menschlichen Ermessen müsste es ihnen mit ihrer keinesfalls primitiven Technik auch gelingen, die dabei auftretenden Probleme ohne katastrophale Folgen zu lösen. Schwieriger wird das Erkennen zwar, wenn man ein vorheriges Wegkorrodieren der Metallbehälter der Abfallgebinde unterstellt, doch ist das in einem Salzstock nur bei unplanmäßiger Entwicklung mit dem Zutritt größerer Mengen von Wasser zum Endlagerbereich möglich. Das wiederum ist beim heutigen Stand des Wissens für viele Jahrtausende auszuschließen. Wenn es danach doch auftreten sollte, ist bis dahin die Radioaktivität der Abfälle unausweichlich schon sehr weit abgeklungen, sodass das Vermeiden katastrophaler Folgen nochmals leichter fällt. Ein unvermutetes Anbohren eines Endlagers ist zwar immer problematisch, bei nüchterner Betrachtung aber wohl doch stets ohne große Katastrophen lösbar.

Der Einschluss der radioaktiven Abfälle im Endlager geschieht durch mehrere, ineinander geschachtelte Barrieren. Für den Austritt radioaktiver Substanzen müssen alle zerstört werden. Zumindest für die stabile geologische Formation kann eine komplette Zerstörung innerhalb relevanter Zeiten ausgeschlossen werden. Möglich ist höchstens eine Kluftbildung, die bis zum Endlagerbereich reicht. Es ist kein Prozess bekannt, der zu einem Austrag größerer Mengen Feststoff durch diese Klüfte führen könnte. Als relevanter Freisetzungspfad kommt daher nur der Wasserpfad in Frage (Eindringen von Wasser, Lösen radioaktiver Materialien, Ausbringen dieser mit dem Wasser). Infolge der gezielt gewählten Auslaugebeständigkeit der Materialien sind die Lösungsraten jedoch auf jeden Fall sehr gering. Außerdem werden die im Wasser gelösten Stoffe über Adsorptions- und Desorptionsvorgänge im Gestein nur sehr langsam weitertransportiert. Laugenkonzentration und Verzögerungszeit hängen dabei entgegengesetzt von der Durchflussmenge ab: Viel Durchfluss heißt kurze Kontaktzeit mit den radioaktiven Abfällen, also nur geringe Laugenkonzentration, dafür aber auch relativ geringe Verzögerungszeiten beim Weitertransport, geringer Durchfluss führt zu deutlich höheren Konzentrationen, aber auch zu wesentlich längeren Rückhaltezeiten. Ein Prozess, der zu katastrophalen Freisetzungen führen könnte, ist nicht bekannt.

Sowohl beim Zugang zum Endlager, als auch bei einem eventuellen undicht Werden, können Katastrophen daher mit sehr hoher Zuverlässigkeit ausgeschlossen werden. Die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle ist natürlich kein leichtes Problem, aber auch keine Technik, bei der größere Katastrophen zu befürchten sind. Beim heute erreichten Stand des Wissens ist die Lösbarkeit des Problems gewährleistet.

Hier können Sie Kurz- und Langfassung gemeinsam als pdf downloaden (pdf, rd. 60 kB). Dieser Beitrag wurde am 8. Oktober 2009 bei den Energie-Fakten.de veröffentlicht.

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