Klimastrategien – Worüber streiten Europa und Amerika?


Von Dr. Eike Roth (Über den Autor)

roth_thumbEuropa (die EU) und Amerika (die USA) scheinen sich weitgehend einig zu sein,

  • dass sich das weltweite Klima deutlich erwärmt
  • diese Erwärmung überwiegend menschengemacht ist und im Wesentlichen auf die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas und die dadurch bedingte CO2-Freisetzung zurückzuführen ist
  • eine ungebremst fortgesetzte Freisetzung von CO2 (und anderen Treibhausgasen) mit hoher Wahrscheinlichkeit zu überwiegend negativen Auswirkungen führen wird
  • diese Auswirkungen so gravierend sein dürften, dass vorbeugende Gegenmaßnahmen dringend geboten erscheinen.

Beide Seiten sehen das Problem und den grundsätzlichen Handlungsbedarf allem Anschein nach also gleich (oder zumindest sehr ähnlich). Aber damit dürfte das Ende der Gemeinsamkeiten auch bereits erreicht sein. Unterschiede bestehen ganz offensichtlich nicht nur hinsichtlich der Maßnahmen, die in dieser Situation konkret ergriffen werden sollen, sondern vor allem auch hinsichtlich der grundsätzlichen Strategie, die zur Problembekämpfung eingesetzt werden soll: Die Europäer sind überzeugt, dass fest vorgegebene und mit Strafe bewehrte Grenzwerte für die CO2-Freisetzungen zuverlässig eine Lösung des Problems erzwingen werden, und dass der Handel mit „Verschmutzungsrechten“ (Zertifikatehandel) auch die billigste Lösung bewirken wird. Die Amerikaner (jedenfalls die Regierung Bush) sind demgegenüber überzeugt, dass feste Grenzwerte für die wirtschaftliche Entwicklung hinderlich und zur Problemlösung wenig hilfreich sind, und dass das Problem bei fehlender „geeigneter“ (technisch verfügbarer und wirtschaftlich bezahlbarer) Techniken prinzipiell nicht lösbar ist, während es umgekehrt bei Vorhandensein „geeigneter Techniken“ quasi automatisch und wie von selbst gelöst wird. Der Schlüssel zur Lösung liegt nach europäischer Meinung in Grenzwerten und im Handel, nach amerikanischer Meinung im Entwickeln „geeigneter Techniken“.

Anders ausgedrückt setzen die Europäer auf verordnete Eingriffe in den Markt mit gezielter Verteuerung für die „Verschmutzer“, so lange, bis diese sich zur Reduktion ihrer CO2-Freisetzungen gezwungen sehen, während die Amerikaner auf technologische Lösungen mit Verbilligung „sauberer Techniken“ setzen, solange, bis diese „von selbst“ eingesetzt werden. Die Europäer wollen für alle Länder, alle Wirtschaftszweige und letztlich für alle Emittenten verbindliche Grenzwerte der CO2-Freisetzungen festlegen. Die Grenzwerte werden jährlich so reduziert, dass am Ende der geforderte Zielwert (z, B. weltweit 50 % Reduktion bis zum Jahre 2050, längerfristig noch mehr) eingehalten wird. Wer mehr freisetzt, muss zusätzliche „Verschmutzungsrechte“ („Zertifikate“) kaufen, wer weniger freisetzt, kann nicht ausgenutzte Zertifikate verkaufen. Der Preis für die Zertifikate wird durch den Markt bestimmt. An den Erfolg ihres Weges glauben die Europäer auch dann, wenn nicht alle Länder der Welt mitmachen. Die anderen werden dann schon folgen.

Die Amerikaner hingegen wollen nicht Geld von wirtschaftlich erfolgreichen (expandierenden) Unternehmen abziehen und auf weniger erfolgreiche (schrumpfende) Unternehmen umlenken, sondern gezielt möglichst alles verfügbare Geld in die Forschung und Entwicklung verbesserter Techniken stecken. Gibt es diese Techniken, werden sie auch von zunächst abseits stehenden Unternehmen und Ländern angewendet werden.

In der Langfassung (pdf, rd. 50 kB) wird ausführlicher auf die beiden Strategien und ihre Vor- und Nachteile eingegangen.

Der Beitrag erschien im Juli 2007 bei den Energie-Fakten.de.

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