Abwehr drohender Klimagefahren – Was bedeutet das?


Von Dr. Eike Roth (Über den Autor)

roth_thumbMenschengemachte Klimaänderungen sind nicht wirklich bewiesen, aber doch sehr wahrscheinlich (siehe meinen Beitrag „Klimaänderungen – ist der Mensch Schuld daran ?“). Die meisten Menschen sind davon überzeugt, dass wir dringend etwas gegen die daraus drohenden Gefahren tun müssen. Auch über das Ausmaß des erforderlichen Tuns besteht – jedenfalls in abstrakten Formulierungen – weitgehend Einigkeit: Bis etwa Mitte dieses Jahrhunderts müssen wir die weltweiten Freisetzungen von CO2 (und anderen Treibhausgasen) auf die Hälfte des heutigen Wertes reduzieren, längerfristig sogar noch weiter. Auch dass die Industrieländer den Löwenanteil dieser Aufgabe werden übernehmen und ihre CO2-Emissionen um mindestens 80 % werden zurückfahren müssen, wird von den meisten Fachleuten und zunehmend auch von Politikern und vielen Bürgern so gesehen.

Was das aber für die Praxis bedeutet, darüber gibt es im Allgemeinen nur sehr diffuse Vorstellungen. Die meisten Menschen glauben wohl, wenn sie drei Mal „ja“ sagen, genügt das und das Problem löst sich dann gewissermaßen von selbst: Ja zum Kyoto-Protokoll, ja zum Energiesparen und ja zu regenerativen Energien. Mehr braucht es nicht.

Aber „ja“ sagen und nichts tun, ist zu wenig. Um das Ziel zu erreichen, müssen wir sogar sehr viel tun: Wir müssen unser Energiesystem vollständig umstellen, von einem kohlenstoffbasierten zu einem praktisch kohlenstofffreien Energiesystem. Das Kyoto-Protokoll ist – zumindest in seiner jetzigen Form – für das Klima fast wirkungslos. Es wird zwar enorme Kosten verursachen, aber im Wesentlichen nur Verlagerungen bewirken und am CO2-Ausstoß insgesamt nur wenig ändern. „Energiesparen“, d. h. die bessere Ausnutzung der aufgewandten Energie und damit die Verringerung des Energieverbrauchs für die einzelnen Anwendungen, wird bei weitem nicht genug bringen. Die regenerativen Energien werden zu bezahlbaren Kosten auch nur einen relativ kleinen Anteil übernehmen können. CO2-Sequestrierung (Abtrennung des CO2 aus den Abgasen und seine langfristige Lagerung in geeigneten Endlagern; Forschungsarbeiten hierzu laufen unter dem Stichwort „sauberes Kohlekraftwerk“) wird vielleicht einen Teil beitragen können, aber da sind noch viele Fragen offen. Eine Lösung ohne maßgebliche Beteiligung der Kernenergie erscheint aus heutiger Sicht unrealistisch. Kernenergie ist aber nicht nur notwendig, um das Ziel überhaupt realistisch erreichen zu können, ganz wesentlich ist auch noch, dass sie ihren Beitrag hierzu auch zu vergleichsweise sehr niedrigen Kosten erbringen kann. Wir müssen daher zusätzlich zu den oben genannten drei Mal „ja“ den Menschen und Politikern noch ein viertes „Ja“ abverlangen, ein „Ja“ auch zur Kernenergie. Ein ausgewogener Mix aus allen verfügbaren Lösungsbeiträgen – jeder dort, wo er am meisten bringt – scheint das vernünftigste und damit auch das von der Verantwortung her gebotene Vorgehen zu sein.

Weitergehende Informationen sind der Langfassung (pdf, rd. 50 kB) zu entnehmen.

Der Beitrag wurde im April 2007 bei den Energie-Fakten.de veröffentlicht.

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