Regenerative Energien – immer ein Schritt in die richtige Richtung?


Von Dr. Eike Roth (Über den Autor)

roth_thumbDer Mensch steht in Verdacht, das Klima zu verändern. Wirkliche Beweise hierfür gibt es noch nicht, aber es besteht doch ein weitgehender Konsens dahingehend, dass wir vorsorglich etwas gegen drohende Klimagefahren tun müssen (siehe dazu meinen Beitrag Klimaänderungen – ist der Mensch Schuld daran ?). Häufig werden regenerative Energien als ein ganz besonders geeignetes Mittel hierfür angesehen. Auch wenn sie zum Teil noch nicht technisch ausgereift und vielfach (noch?) nicht wirtschaftlich konkurrenzfähig sind, werden sie zumindest als „Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnet, den wir auf jeden Fall tun sollten, falsch könne man dabei nichts machen.

Aber diese pauschale Bewertung ist zu einfach. Es gibt sehr viele verschiedene regenerative Energien und man kann sie in ganz unterschiedlichem Umfang und in stark unterschiedlicher Art einsetzen (in meinem Buch „Sonnenenergie – Was sie bringt – was sie kostet“, Friedmann Verlag München, 1999, ISBN 3-933431-05-0, habe ich nähere Ausführungen hierzu gemacht). Ob regenerative Energien tatsächlich „ein Schritt in die richtige Richtung“ sind, oder ob ihr Einsatz zu viel Geld verschlingt, das an anderer Stelle mehr und positivere Wirkung erzeugen könnte, hängt von den jeweiligen Randbedingungen ab.

  • Wasserkraft z. B. weist hohe CO2-Reduktionsfaktoren auf, ist aber keinesfalls umweltneutral (und auch keinesfalls risikolos). Sie kann „ein Schritt in die richtige Richtung sein“, muss es aber nicht.
  • Biomasse (als Energierohstoff) ist wahrscheinlich immer „ein Schritt in die richtige Richtung“, wenn sie aus Abfällen anderer Tätigkeiten anfällt. Sofern sie aber eigens für Energiezwecke angebaut wird, sind vor einem Urteil weitere Fragen abzuklären.
  • Windenergie (zur Stromerzeugung) erreicht zwar grundsätzlich hohe CO2-Reduktionsfaktoren, ist aber (standortabhängig) teuer bis sehr teuer und bei einem Ausbau in größerem Maßstab sind Netzverstärkungen erforderlich; zudem bereitet die schwankende Verfügbarkeit zunehmende Probleme hinsichtlich der Netzstabilität. Bei zu starkem Ausbau ist die Windenergie sicher „kein Schritt in die richtige Richtung“.
  • Noch viel teurer und daher noch weniger „ein Schritt in die richtige Richtung“ ist Solarstrom aus (netzgekoppelten) Fotovoltaikanlagen (jedenfalls mit heute verfügbarer Technik).
  • Wird die Sonnenenergie jedoch mittels Solarkollektoren zur Niedertemperatur-Wärmebereitstellung ausgenutzt, ist das fast immer „ein Schritt in die richtige Richtung“.
  • Geothermie ist an wenigen geeigneten Stellen (Vulkannähe oder starke Anomalien mit hohen Temperaturen in geringer Tiefe) „ein Schritt in die richtige Richtung“. Muss für ihre Nutzung jedoch tiefer gebohrt werden, ist die Wirtschaftlichkeit nicht ausreichend sichergestellt; zudem sind – zumindest bei großmaßstäblicher Anwendung – Sicherheitsfragen bezüglich Erdbebenauslösung noch nicht hinreichend geklärt.
  • Umgebungswärme (Erdwärme) als gespeicherte Sonnenenergie kann mittels Wärmepumpen meist relativ günstig ausgenutzt werden und ist daher prinzipiell „ein Schritt in die richtige Richtung“.

Das Urteil fällt also gemischt aus. Wie so üblich, ist auch bei regenerativen Energien jeweils eine tiefergehende Analyse erforderlich.

Nähere Einzelheiten und Begründungen finden sich in der Langfassung (pdf, 50 kB).

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